Montag, 19. Januar 2009

vom Spaziergang zur Meditation

Ich muss zum Arzt. Diese Erkältung nervt einfach. Da bietet es sich an, hinterher noch schnell runter an den Strand zu fahren, wenn ich schon mal los soll. Ein Blick auf den Plan zeigt, dass Bohne und Kiwi dran sind mit "mit", und da Olga am Anfang der Läufigkeit steht, sind für sie die Hundetreffs tabu, also Olga auch mit, fehlt noch ein Langhaar, also wird auch der Ami-Fussel Loreley eingepackt. Waldi auch, ist ja klar. An den Strand ohne den Seehund geht ja gar nicht. Wieder mal wird das Einpacken der Hunde, ja schon das Separieren, zum Belastungstest für meine Nerven, gedanklich schlachte ich sie, alle. Flüchtig nehme ich mir vor, sie doch alle mal besser zu erziehen, aber ich weiss, dabei bleibt es auch.

Das Wetter ist trüb und grau, wie meine Stimmung. Ich bin in meiner klassischen Januar-Depri. Andere nehmen ihre Herbst-Depri, für mich ist Januar der schlimmste Monat. Die kuschelige Adventszeit ist vorbei... aber die Kälte bleibt. Und die Dunkelheit. Nein, ich hasse den Januar. Die Kerzengemütlichkeit passt irgendwie nicht mehr und alles wird nur noch trostlos. Wie das Wetter jetzt. Fröstelnd fahre ich nach dem Arztbesuch runter nach Westerholz. Mein Lieblingsstrand, eigentlich. Ich merke, dass ich den Fotoapparat vergessen habe und ärgere mich, für einen Moment denke ich an umdrehen, aber was soll´s. Muss halt das Handy ran.

Ich fahre den Hügel runter zum Parkplatz, und die Sonne kämpft sich durch Wolken und hüllt alles in ein unwirkliches, dunstiges Licht. Alles ist leer, der Wind hat sich gelegt, und ich atme auf, ein ruhiger Spaziergang, heute, keine der Ratten mit dem "weitläufigen Bewegungsradius" mit, das wird mal ganz gemütlich.

Ich stapfe los, es ist herrlich. Eigentlich. Die Hunde toben durch den Sand, Waldi ist glücklich, er hat sein Wasser wieder. Nur ich, ich kann nicht so wirklich entspannen. Ich grübel so vor mich hin, zunächst an das, was mir alles auf der Seele liegt und ich nicht ändern kann, im Moment. Alles das, was ich tun müsste, eigentlich. Und was mir so schwer fängt anzufangen. Der Strand ist menschenleer, früher war es hier immer so, aber leider, seitdem in Langballig und Westerholz ein Neubaugebiet nach dem anderen dazukommt, ist dies eine Seltenheit. Ich grüble weiter. Nicht, dass es mich stört, andere Menschen zu treffen, suche ich doch oft gerade die Zeiten heraus, wo ich Kontakt bekomme. Nur... die Menschen, die hier dazugekommen sind, sind zum grossen Teil Städter, die auf das Land ziehen, nur um dann die Stadt auf das Land zu bringen.

Ich denke an die Kinder, die man früher ausschliesslich hier traf. Strahlende kleine Kobolde, die lachend auf einen zukamen. Die Grossen passen auf die Lütten auf. Keine Eltern in Sicht. Kinder, die mit der Natur spielen, in der Natur, und nicht gegen sie. Kinder, die aufgeregt mit den Hunden spielen, Dir von ihrem Hund, ihrer Katze, ihrem Meerschweinchen erzählen. Die Dich mitziehen, obwohl sie Dich nicht kennen, um Dir ihre neue Höhle zu zeigen, die sie im Wäldchen gebaut haben. Oder die kichernd auf den Bäumen hocken und sich "verstecken". Natürlich "sehe" ich sie nie. Auch das ändert sich. Es gibt mehr Kinder, die nicht mehr spielen können. Kinder, die sich an den Eltern festklammern, wenn ein Hund kommt. Kinder, die sich in der Sicherheit der Neubausiedlungsgärten Marke Siedler (freies Schussfeld) deutlich wohler fühlen als hier am Naturstrand. Die Kinder können ja nichts dafür. Sie dürfen ja nicht mehr auf die Bäume, oder allein ans Wasser. Und ihre Eltern kriegen die Krätze, wenn Klein Erna an einer Alge kaut. oder im Lehm versinken und die guten Oshposh-Jeans dreckig werden. Ich stapfe weiter, grübelnd. Heute auch keine Kinder da, welcher Couleur auch immer. Nur die Weite vor mir.

Und grüble darüber, wie schwer mir das Gehen über diesen Naturstrand fällt. Eigentlich, seitdem ich ihn kenne, nach dem Unfall, in der Reha-Zeit, mit der Arthrose, jetzt mit dem steifen Fuss... Sand, Kiesel, grosse Steine, Abbrüche von der Steilküste, Lehmlöcher und Grundwasser-Rinnsale, die Augen gehören immer auf den Boden. Aber ich würde diesen wilden Strand nicht eintauschen gegen die, die es mir leichter machen zu laufen. Ja, ich werde heute abend merken, wo ich war, aber diese herrliche unordentliche Ursprünglichkeit erwärmt mein Herz. Und denke daran, dass Uroma Pauline hier schon lange nicht mehr laufen kann, mag, ich denke zurück an die Zeit, als sie hier noch rumflitzte. So viele Jahre sind schon vergangen.

Die Hunde fegen hin und her und sind glücklich, aber ich, obwohl es wunderschön ist, habe immer noch diesen Druck in mir, kann nicht wirklich entspannen. Das Kopfkino läuft und läuft. Ich sehe die ersten Steinhaufen und packe fast schon automatisch meine drauf, eine Eigenheit hier oben, die ich sehr liebe. Auf den grossen Steinen fängt immer jemand an, kleinere hinzupacken. Wer sind diese Menschen, mit denen man schichtet? Manchmal wartet ein einzelner Stein auf Menschen, die ihm einen Partner dazuschichten, manchmal findet man beeindruckende kleine Gebilde. Heute hat unter anderem einer angefangen, mit angeschwemmten und abgeschliffenen Backsteinen Kunstwerke zu bauen. Zunächst lege ich auch rote Backsteine dazu, aber dann geht es mit mir durch, und ich suche extra weisse aus, die ich dort integriere. Schon komisch, durch diese Steinelegerei fühlt man sich Menschen verbunden, die man gar nicht kennt. Waldi schnuffelt an einigen dieser grösseren Türmchen, aber auch er schmeisst sie nicht um, eine weitere Eigenartigkeit, ich habe noch nie einen Hund gesehen, der sie umschmeisst.

Die Wintersonne tanzt durch die zarten hauchdünnen Nebelschleier, ich bleibe stehen und mein Blick wandert nach vorne, zu den Hunden, die auf dem menschenleeren Strand weit vorlaufen. Ja, vier wandernde Steine, das dürften die Dackel sein. Auf Waldi-Höhe ist allerdings kein Waldi... da sehe ich aus dem Augenwinkel etwas durch das Wasser stieben und höre leicht das Geplatsche, glücklich pflügt er durch das Wasser, obwohl er den Kormoran, der sich auf einem Stein putzt, nicht erwischen konnte, so weit wollte er dann doch nicht rein...

Und plötzlich werde ich mir der Stille bewusst. Keiner der üblichen Zivilisationslaute, es ist, als seien wir alleine auf der Welt. Nur das leise Lecken des Wassers am Sand, gedämpftes Gurren und Quaken der Wasservögel, die auf dem fast glatten Wasser ruhen, ansonsten Stille, fast greifbar. Magisch, irgendwie entrückt von der Wirklichkeit. Als wäre ich durch den Dunst in eine andere Welt gelangt. Mein Blick schweift langsam über das wunderbare Panorama: Vor mir dehnt sich der wilde Strand, im Schatten der bewaldeten Kliffs liegend, bis die Steilküste sich in der Ferne in immer zarteren Wogen von Taubengrau in Dunstschleiern verliert, dann hinüber nach links, wo die schnurgerade Linie des Horizonts das Ende der Förde und die Weite der Ostsee andeutet, nur unterbrochen von einem einzelnen kleinen Fischerboot, gerade noch auszumachen weit hinten. Eine weite Fläche von Meer, rauchgrau, seichte Wellen wie Samt, majestätisch und beruhigend. Weiter wandern die Augen hinüber ans andere Ufer, auf die dänische Küste, die sich in den zögerlichen Strahlen des blassen Lichtes sonnt, zarte grüne Hügelwellen, unterbrochen vom satten Gelb des Sandes, Häuser, wie Puppenhäuser, vereinzelt in die Landschaft geworfen, 2 majestetische weisse Windräder, die sich wie in Zeitlupe drehen.

Die Zeit bleibt stehen. Regungslos verharre ich, trinke diesen Moment in mich herein. Und es geschieht, was ich schon so oft geübt habe, in Hallen, Räumen, Kursen, was ich so brauche und was mir nur so selten gelingt, und auch nur in der Natur. Meine Füsse schlagen Wurzeln, ich werde eins mit der Welt in diesem Augenblick. Meine Lungen saugen gierig die kalte Winterluft ein, vergessen die flache Atmung. Mein Kopf leert sich, vergisst alles andere ausser dem Jetzt, dem Hier. Sorgen verschwinden, ein sanfter Frieden breitet sich aus. Der Druck auf der Brust läuft einfach aus mir heraus, in den sanften nassen Sand unter meinen Füssen und wird hinweggespült vom ruhigen Rhytmus des Meeres. Dieser Augenblick - könnte man ihn doch nur einfrieren, so vollkommen, fast schon schmerzhaft schön... Zeitlose Minuten stehe ich so, eins mit der Natur. Die Hunde versammeln sich zu meinen Füssen, als würden auch sie die Magie des Moments spüren.

Dann plötzlich ist er vorbei, der Augenblick, und die Welt beginnt sich wieder zu drehen. Aber nicht, ohne in mir ein Lächeln zu hinterlassen, eine Stimmung wie Seide. Ich gehe weiter, entspannt jetzt. Für diesen Spaziergang habe ich alles hinter mir gelassen, für diese kostbare Zeit gibt es nichts anderes als die Schönheit des Tages. Die Hunde toben wieder, wir treffen eine nette Dame mit einem netten Labi-Mix und schnacken ewig, irgendwie ist alles erfüllt von einer ruhigen Fröhlichkeit. Und noch als ich ins Auto steige, lächle ich. Ja, so ein Spaziergang mit meinen Biestern kann Meditation sein, Balsam für die Seele!

hier ein Mini-Video
Einfach ein herrlicher Blick






Samstag, 17. Januar 2009

das Gewusel

so viel Wahrheit liegt in diesem kleinen Gedicht, welches aus dem Englischen übersetzt wurde:

Du willst also ausstellen? Das ist gefährlich.

Es bleibt nicht bei Einem, sei doch mal ehrlich.

Einer ist gar nichts, ein Zweiter muss her.

Ein Dritter ist einfach, ein Vierter nicht schwer.

Ein Fünfter erfreut dich, mit dem Sechsten wird´s gehn.

Ein Haus voller Hunde macht das Leben erst schön.

Ein Hund auf den Sofa, ein anderer im Bett.

Hungrige Mäuler in der Küche, das findest du nett?

Sie hören aufs Wort und sind gar kein Problem.

Wenn´s noch Einer mehr ist, wird´s immer noch gehn.

Jeder ist anders, du weißt wer da bellt.

Das Futter ist teuer, der Tierarzt kriegt Geld.

Die Familie bleibt weg, Freunde lassen dich in Ruh´.

Du siehst nur noch Züchter, die leben wie du.

Die Blumen sind tot, der Rasen ist hin,

doch am Wochenende hast du andres im Sinn.

Man meldet und reist, so ist der Trott,

dazu die Steuer, bald bist du bankrott.

Ist es das wert? Was machst du da bloß?

Da kommt ein Liebling und springt auf dein Schoß!

Sein Blick wärmt dein Herz und um nichts in der Welt

gäbst du einen her. Was bedeutet schon Geld?

Egal ob für Zucht, für Schau oder Spaß,

für jeden gibt´s Platz - jeder dient zu etwas!

Es muss wohl was wert sein und es muß dir was geben,

sie lieben dich alle, die Hunde in deinem Leben.

Alles hat sich verändert, nichts ist mehr gleich!

Du liebst deine Hunde und deine Seele ist reich.

Genauso ist es... Eben brüllt man noch und bekommt einen Nervenzusammenbruch, weil wieder niemand hört und alle nur Mist machen, wieder etwas Geliebtes zu Bruch gegangen ist, die Hütte aussieht wie Schwein. Wieder mal liegt überall Müll rum, den sie wer weiss wo wieder rausgerupft haben. Wieder mal war jemand nicht stubenrein. Wieder mal geht das bisschen Geld drauf, weil irgendwas ist. Wieder mal kann man irgendetwas nicht wahrnehmen...

Und dann liegen sie alle auf Dir und kuscheln mit Dir, so voller Vertrauen...und alles ist wie weggewischt. Alles ist egal. Und Du denkst wieder nur daran, wie Du das Leben für sie besser machen könntest...

Schon komisch

Dienstag, 6. Januar 2009

Grosshund/Kleinhund

Kaum hat se nen Grossraumdackel, weiss se schon über grosse Hunde Bescheid...

Hehe, neeee, nicht mehr, als all die tollen Hundetrainer, die immer nur Grosshunde hatten und dann bei kleinen Hunden so oft daneben liegen (letzter Hammer: O-Ton Trainer: hat die Kleine was mit den Augen???.... Hallo Herzilein, leg Dich mal auf den Boden, ins Gras, um auf Augenhöhe mit den kleinen Biestern zu sein... dann wirst Du sehen, dass das Gesichtsfeld ein ganz anderes ist - und die Lütten daher eher mit Nase als Augen arbeiten müssen... jaja, die gesunde Logik erschliesst sich so manchem nicht, der nach Schema F geht)...

Wie auch immer, ich weiss sicherlich, wie die meisten Vielhundehalter, sehr genau, dass jeder Hund anders ist. Und habe schon oft über den Unterschied Kleinhund/Grosshund nachgedacht. Aber - wie das eben immer so ist - wirklich begreift man erst, wenn man es lebt...

mein Fazit: Grosse Hunde sind wesentlich einfacher zu erziehen... damit meine ich die Technik, nicht den Charakter. Zeitgenau zu loben, den Hund zu packen, zu schieben, Leckerli-Gaben, ähnliches Gesichtsfeld, einfacher zu beobachten... Wenn der Dackel abziehen will, dann zieht der ab, denn bis ich mich auf seine Höhe gebückt hab, isser wech.... Waldi krieg ich viel leichter gegriffen (auch wegen K9-Geschirr ... grins). Will ich ein Leckerli geben, stopf ich ihm das gleich ins Maul, ohne mich erst verbeugen zu müssen.

Aber grosse Hünde müssen eigentlich auch einfacher zu erziehen sein, einfach, weil sie das müssen. Hier ist eine ganz andere Kraft, und damit auch eine ganz andere Verantwortung. Sie müssen schlicht und ergreifend besser hören. Lachen 90% der Menschen noch, wenn meine Meute anstürmt, so sind die Reaktionen bei dem Waldwurzel schon zögerlicher, ggfalls auch ängstlich. Kriegen die kleinen Biester das Beissen, gibt es zunächst mal erträglich kleine Löcher, hackt so ein grosser zu, wächst kein Gras mehr.

Während kleine Jagdhunde bewusst auch "giftig" gezüchtet wurden, da sie ja im direkten Kontakt zum zu erlegenden Wild stehen und ggfalls auch mal "kämpfen" müssen, auch wenn sie eigentlich nur sprengen sollen, und sind sie trotzdem damit noch keine grosse Gefahr für uns Menschen, kann ein Waldi, der giftig ist, wirklich was Schlimmes anrichten.

Eine höhere Reizschwelle ist daher vielen Rassen angezüchtet, was auch gut so ist. Eine Waldi-Grösse mit Jagdterrier-Temperament möchte ich nicht begegnen. Erstaunlich, dass viele Grosshunde eigentlich sehr vorsichtig mit den Kleinen sind, es sei denn, sie sind im Tobeflash, da werden sie dann übergebrettert, aber nu ja, es sei ihnen gegönnt.

Grosshunde, die bewusst unvorsichtig sind mit Kleinen, sind, so sehe ich das bis jetzt, einfach vom Halter nicht gut erzogen. Klare Ansage, dass kleine Hunde keine Quietschspielzeug ist, dann klappt das auch, denke ich. Bei einigen würde ich sogar sagen, sie haben noch nicht ganz begriffen, dass Kleinhunde keine Beutetiere sind... denn ihr Verhalten ist oft so, wie sie auch mit einer Maus umgehen würden. Da wünschte ich mir manchmal, dass die Besitzer etwas mehr Kenntnis der Mimik und Gestik hätten. Aber.... jeder Besitzer weiss ja selber ganz genau alles, er hat ja Bücher gelesen (und sein Hund ist sowieso anders als alle anderen, oder will nur spielen) .... grins... insofern halt ich einfach die Klappe und geh mit meinen aus der Gefahrenzone.

Waldi würde gerne meine Katzen fressen... darf er aber nicht.... Er ist allerdings auch nicht so lernresistent wie die Dacklers. Und wenn er zu grob wird mit den Dacklers, kriegt er eben was zu hören. Er lernt sehr gut, seine Kräfte zu regulieren. Sehr stolz auf ihn bin. Gab es in den ersten Tagen schon mal einen Kratzer, einfach wegen seiner Grösse, knufft er jetzt sehr vorsichtig.

Allerdings, nicht alles ist die Schuld der Grosshundebesitzer, ist es doch sehr schwer für sie, Kleinhundebesitzer zu finden, die sich als "Lernobjekte" zur Verfügung stellen. Nun ist - das darf man auch nicht vergessen - der kleine Einzelhund natürlich schnell geschockt... Da hilft so ein Rudel wie meines, dass sich auch wehrt. Während am Anfang die Grosshundeleute immer etwas vorsichtig gucken, ja ihre Hunde zurückrufen, sind sie hinterher immer erstaunt, dass das doch so gut geht. Und froh, dass sich ein Kleinhundemensch ihnen stellt.

Klar gibt es Konfliktsituationen bei so grossen Grössenunterschieden. Beide Seiten brauchen Rückzugmöglichkeiten, beide Seiten haben unterschiedliche Bedürfnisse, schon vom Bewegungsradius her. Wenn ich sehe, wie gerne Waldi durch die Gegend rast, aber welchen Platz er dafür braucht, kräuseln sich bei mir die Fussnägel, wenn ich daran denke, dass ich einen Hund wie ihn nur im Haus halten würde und nur an der Leine mit ihm rauskönnte. Ernsthaft überlege, ob nicht eine ganze Reihe von Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Grosshunden auch daran liegen, dass einfach zu wenig natürliche Bewegung möglich ist. Die ewige gleichförmige Bewegung an der Leine ist ja schon für Kleinhunde nicht so toll, aber wenigstens reicht denen ein grösseres Zimmer oder ein kleiner Garten als Rennstrecke...

Tja, Leben mit Tieren, da kann man lesen, soviel man will, erst im Zusammenleben scheint man wirklich zu begreifen. Und nie auszulernen. Und auch immer mehr aufzugeben, anderen Ratschläge zu geben. Jede Situation, jedes Gespann, jeder Hund ist anders, jeder Mensch auch. Allgemeingültige Sachen gibt es da nicht, schon allein durch die Rassen und die Prägungen.

Hätte ich nicht so viel Erfahrungen gesammelt mit Hundehaltung und vielen verschiedenen Hunden, sowie dem Rudel, ich denke, ein Hund wie Waldi würde mir viel mehr Probleme bereiten, weil ich nicht so lesen könnte in den Verhaltensweisen. Heute sehe ich Grenzsituationen meist schon, bevor sie entstehen. Das Auge wird halt geschult, wenn man täglich das Gewusel um sich herum hat.

Trotzdem muss man mit jedem Tier, was dazu kommt, wieder dazu lernen. Strukturen verändern sich, andere Charakter haben andere Reaktionen, Kommunikation ist anders, ja, auch der Unterschied zwischen gezogenen Welpen, dazugekauften Welpen oder Junghunden und "gebrauchten" Tieren macht das Leben immer wieder interessant. Was 10x geklappt hat, klappt bei Nr. 11 nicht mehr.

Und man lernt eines: Eigentlich weiss man noch immer nix.

Heute muss ich gestehen: ein Hundetrainer, der kein Rudel hält, wäre für mich kein ernsthafter Ansprechpartner. Damit meine ich nicht, dass er deswegen schlecht ist, für den "normalen" Hundehalter ist das total ok.

Trotzdem wünsche ich mir manchmal ein Forum für Vielhundehalter, so ab 6 Hunden aufwärts. So viel verändert sich, schon mit dem 2. oder 3. Hund, aber so ungefähr ab dem 6. wird es nochmal irgendwie ..... anders. Und dann gehen einem oft die Ansprechpartner aus. Die Probleme sind einfach ganz andere dann.

Aber das.... ist ja nicht das eigentliche Thema heute... mal wieder abschweif...

in diesem Sinne
einen schönen kalten Tag
kat und die biester

Sonntag, 4. Januar 2009

ich weiss, es erschliesst sich nicht allen

Ich weiss, es erschliesst sich nicht allen, ein Leben mit so vielen Tieren. Meinen Eltern schon gar nicht. Auch generell: Die Wienerkingersche, das ist doch die mit den vielen Dackeln.... mit dem leisen Unterton von "bissi bekloppt, die Tante"...

Ja, äusserlich mag das stimmen, so viele Tiere kosten so viel, machen so viel Dreck, bedeuten so viel Verantwortung und - das ganze Leben scheint sich nur um sie zu drehen, auf die eine oder andere Weise.

Ja, 99 Prozent von dem, was ich mach oder tu, hat mit den Pelztieren zu tun. Mein Geld fliesst in sie (sie essen sicher meist besser als ich, und während ich in aller Ruhe die abgelegte Garderobe einer lieben Freundin trage, kaufe ich den Biestern feine neue Dinge). Meine Zeit fliesst in sie, ob nun beim Putzen, Bespielen, Pflegen, Spazierengehen oder einfach nur Kuscheln. Mein Haus richtet sich nach ihnen und wird es nach dem Umzug noch mehr tun, meine Sitzplätze sind so gestaltet, dass ich an alles komme, ohne aufzustehen (weil, besessen), ja auch mein Computer ist ein Notebook, damit ich mit ihnen sein kann, wenn ich was tue.

Mein Freizeitverhalten ist einseitig auf die Hunde ausgerichtet, mein Freundeskreis fast nur noch "hündisch", mein Surfverhalten deckt zum Grossteil ebenso nur tierische Seiten ab, meine Telefongespräche drehen sich um Tiere. Mein Interieur spiegelt schon lange nicht mehr meinen Geschmack wieder, sondern das, was mit den Biestern machbar ist. Kurzfristig mal eben wohin ist nicht, schon gar nicht für länger, und der Gewinn einer Urlaubsreise würde mich vor unlösbare logistische Probleme stellen und damit verkauft werden.

Ist ja nun nicht so, dass ich mich nur für Tiere interessiere.... Sollte ich meine Hobbies auflisten, so stünde da Tauchen, Motorrad-Fahren, Ballet-Besuche, Reisen durch die ganze Welt, schick bummeln gehen... Ehrlich gesagt, ich kann mich bei einigen Dingen nicht mal erinnern, wann ich sie zuletzt gemacht habe. Schon Bummeln mit Mama in Hamburg erfordert Planung. Mal eben so wo übernachten, tja, man kann halt keinem diese Menge an Hunden zumuten. Auch nicht so als Hundesitter. Denn - man muss in so grosse Rudel reinwachsen, das Auge dafür bekommen, das Ohr, das Gespür, wenn einer fehlt, sich was zusammenbraut...

Vermisse ich etwas, dadurch, dass ich so lebe wie ich es tue. OH JA! Ja, vor allem das mal eben so wo hinreisen. Reisen, ob nun mal ein Wochenende oder gar mal ein paar Wochen. Eine in hellen Farben eingerichtete Wohnung. In einer schicken Boutique etwas einzukaufen, bei dem man nicht darauf achten muss, dass es Krallen ertragen muss... Manchmal sicher auch unbeschwerte Unternehmungen mit einem Partner, denn auch das hat sich so ziemlich erledigt, wenn man sich für so eine Lebensweise entscheidet.

Bereue ich es nun? Nein! Ich habe beide Leben gelebt - und ich bevorzuge mein jetztiges. Jetzt, gerade jetzt, hier zu sitzen, mit dem Rechner auf dem Hundesofa, mit alle Hund auf mir oder unter meinen Knien, sowie den Katzen noch dazu, das entspannte Seufzen, Hannahs Blick hoch zu mir, so voller Vertrauen, oder wenn sie alle so vor mir herpesen beim Spazierengehen, oder sie sich freuen, weil ich ihnen mal was besonderes bieten kann... Nein, ich möchte mein Leben nicht tauschen. Ich fühl mich ja schon allein, wenn ich mal nur mit 3 Hunden unterwegs bin. Am liebsten alle dabei.

Optimieren möchte ich es noch, "im nächsten Haus" wird alles anders, ich träume davon, ihnen noch mehr Freiheit bieten zu können, weil das auch mir mehr Freiheit geben würde. Auch von einem Tier-pair träume ich, vielleicht ist das ja irgendwann drin.

Aber generell - würde ich mit niemandem tauschen. Glücklicherweise GIBT es da draussen, denen sich ein solches Leben erschliesst, weil sie eben diese Entscheidung für sich getroffen habe. Weil sie auch in dem Bad in den Pelzbüdeln etwas empfinden, was einfach nur herrlich ist.

Auch wenn man sie immer und immer wieder an die Wand klatschen möchte...

Einen schönen kalten Montag Euch